Bohrschlamm entwässern und vor der Entsorgung behandeln

Anwendung Schlammentwässerung
Aktualisiert: Juli 2026 Lesedauer: ca. 8 Minuten

Beim Bohren in Stein oder Beton wird häufig Wasser zur Kühlung und Staubbindung eingesetzt. Aus Wasser und Bohrmehl entsteht ein dünnflüssiges bis zähes Gemisch, das sich schlecht transportieren und nur ungern über längere Zeit lagern lässt.

Ein offener Filtersack kann den Bohrschlamm chargenweise entwässern. Flüssigkeit tritt durch die textile Filterfläche aus, während mineralische Bestandteile im Sack und im entstehenden Filterkuchen zurückbleiben. Passende Standardgrößen finden Sie in der Kategorie Filtersäcke zur Schlammentwässerung.

Das Wichtigste in Kürze

Mineralische Feststoffe zurückhalten

Bohrmehl und weitere feste Bestandteile verbleiben im Filtersack, während Flüssigkeit austritt.

Arbeitslast mitdenken

Bohrschlamm kann schwer sein. Das Nutzvolumen allein reicht für die Auswahl nicht aus.

Entsorgung bleibt eigener Schritt

Die Entwässerung erleichtert die Handhabung, ersetzt aber keine Einstufung oder fachgerechte Entsorgung.

Ausgangssituation

Wo wasserhaltiger Bohrschlamm entsteht

Typische Anwendungen sind wassergekühlte Bohrarbeiten in Steinbrüchen sowie Beton- und Kernbohrungen. Das Kühlwasser nimmt feines Bohrmehl und gröbere mineralische Bestandteile auf. Je nach Verfahren entsteht ein sehr dünnflüssiges Medium oder ein bereits deutlich eingedickter Schlamm.

Solange viel freies Wasser enthalten ist, bleibt die Handhabung umständlich. Behälter füllen sich schnell, Transportvolumen steigt und Feststoffe können sich beim Umlagern erneut verteilen.

Nicht jeder Bohrschlamm ist gleich

Rein mineralischer Bohrschlamm aus Wasser und Gesteinsmehl ist anders zu bewerten als ein Medium mit Bentonit, Ölen oder weiteren Bohrhilfsmitteln.

Fest-Flüssig-Trennung

Wie ein Filtersack Bohrschlamm entwässert

Der offene Filtersack wird auf einer geeigneten, ebenen Fläche oder in einer passenden Aufnahme aufgestellt. Der gesammelte Bohrschlamm gelangt über Pumpe, Schlauch, Rohr oder Behälter von oben in den Sack.

Flüssigkeit tritt aus

Das freie Wasser durchströmt die textile Filterfläche und wird außerhalb des Sacks kontrolliert gesammelt.

Feststoffe bleiben zurück

Bohrmehl und weitere mineralische Partikel lagern sich im Sack ab und bilden nach und nach einen Filterkuchen.

Der Filterkuchen verändert den Prozess

Mit wachsender Schicht kann die Rückhaltung feinerer Partikel steigen, während der weitere Flüssigkeitsaustritt langsamer wird.

Die Entwässerung braucht Zeit

Eine feste Prozessdauer lässt sich nicht pauschal nennen. Zusammensetzung und Feststoffanteil entscheiden mit.

Praktischer Nutzen

Was die Entwässerung vor Transport und Entsorgung bringt

Der hohe Wasseranteil macht Bohrschlamm unnötig voluminös und schwer zu handhaben. Durch die Sackentwässerung kann ein Teil dieser Flüssigkeit abgetrennt werden. Der zurückbleibende mineralische Schlamm lässt sich danach häufig übersichtlicher lagern, bewegen und einer weiteren Behandlung zuführen.

Eine feste Gewichts- oder Volumenreduzierung kann daraus nicht abgeleitet werden. Das Ergebnis hängt vom Ausgangsschlamm, der Partikelgröße und der verfügbaren Entwässerungszeit ab.

Die Anwendung ist besonders interessant, wenn …
  • Bohrschlamm chargenweise anfällt,
  • eine einfache Schwerkraftentwässerung ausreicht,
  • der Flüssigkeitsanteil vor dem Transport reduziert werden soll und
  • Stellfläche und Filtratführung vorhanden sind.
Produktauswahl

Welche Filtersackgröße passt zum Bohrschlamm?

Bei Bohrschlamm sollten Nutzvolumen und tatsächliche Masse immer gemeinsam betrachtet werden. Mineralische Bestandteile können schwer sein, auch wenn der Sack noch nicht vollständig gefüllt ist.

Ausführung Arbeitslast Typische Einordnung
0,125 m³ bis 400 kg Einzelne Bohrchargen, mobile Einsätze und wenig Stellfläche
0,5 m³ 400 / 600 / 900 kg Regelmäßig anfallende mittlere Mengen
0,8 m³ 400 / 600 / 900 kg Größere Chargen bei moderater Bauhöhe
1,25 m³ 400 / 600 / 900 kg Hohe Schlammvolumen und ausreichend Platz

Der Ratgeber „Welcher Filtersack passt zu welcher Schlammmenge?“ erklärt die Größenwahl ausführlich.

Praxis

Bohrschlamm in sieben Schritten entwässern

  1. Bohrschlamm sammeln: Das wasserhaltige Medium zunächst in einem geeigneten Behälter oder Zulauf erfassen.
  2. Zusammensetzung prüfen: Mineralische Bestandteile und mögliche Additive einordnen.
  3. Filtersack aufstellen: Ebene, materialschonende Fläche oder geeignete Aufnahme vorbereiten.
  4. Filtratweg festlegen: Austretende Flüssigkeit kontrolliert sammeln oder weiterführen.
  5. Von oben befüllen: Pumpe, Schlauch, Rohr oder Behälter nutzen und Füllstand beobachten.
  6. Entwässern lassen: Dem Filterkuchen und dem weiteren Flüssigkeitsaustritt ausreichend Zeit geben.
  7. Erst danach entnehmen: Sack nur innerhalb der gewählten Arbeitslast bewegen und fachgerecht weiterbehandeln.
Prozessgrenzen

Filtrat und Bohrhilfsmittel nicht übersehen

Bei wassergekühlten Stein- und Betonbohrungen steht die mineralische Feststofftrennung im Vordergrund. Andere Bohrverfahren können Bentonit, Polymere, Öle oder weitere Hilfsstoffe enthalten. Diese Bestandteile verändern das Verhalten des Schlamms und die Anforderungen an die weitere Behandlung.

Das austretende Filtrat ist nicht automatisch für Kanalisation, Boden oder Gewässer geeignet. Auch wenn sichtbare Partikel zurückgehalten wurden, können gelöste oder fein verteilte Stoffe im Wasser verbleiben.

Abgrenzung

Was der Filtersack nicht übernimmt

1

Keine Entsorgungsleistung

Abfalleinstufung, Transport und fachgerechte Entsorgung bleiben eigenständige Schritte.

2

Keine garantierte Restfeuchte

Das Ergebnis hängt vom konkreten Bohrschlamm und der Entwässerungszeit ab.

3

Keine pauschale Additivfreigabe

Unbekannte Bohrhilfsmittel und Chemikalien müssen separat betrachtet werden.

4

Keine automatische Einleitfähigkeit

Die textile Feststofftrennung ersetzt keine Prüfung des austretenden Wassers.

Häufige Fragen zur Entwässerung von Bohrschlamm

Antworten zu Auswahl, Befüllung und Grenzen des Verfahrens.

Eignet sich der Filtersack für Betonbohrschlamm?

Wasserbasierter Bohrschlamm aus Beton- und Kernbohrungen gehört zu den bekannten Anwendungen. Menge, Masse und mögliche Additive müssen trotzdem geprüft werden.

Welche Größe passt für einzelne Bohrarbeiten?

Für kleine Einzelchargen kann die Ausführung mit 0,125 m³ sinnvoll sein. Regelmäßige Mengen werden eher mit 0,5 m³ oder größer abgedeckt.

Kann der Sack mit einer Pumpe befüllt werden?

Ja. Die offene Ausführung kann über Pumpe, Schlauch, Rohr oder Behälter von oben befüllt werden.

Ist das Filtrat danach sauberes Wasser?

Nicht automatisch. Gelöste Stoffe und sehr feine Bestandteile können im Wasser verbleiben.

Kann Bentonitschlamm damit entwässert werden?

Das hängt von Zusammensetzung, Viskosität und weiteren Hilfsstoffen ab. Für unbekannte Medien ist eine technische Prüfung oder ein Versuch sinnvoll.

Wird der Bohrschlamm vollständig trocken?

Nein. Der Filtersack entwässert, trocknet den Schlamm aber nicht vollständig und garantiert keine feste Restfeuchte.

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