Straßen- und Hofabläufe filtern: drei Aufgaben, drei Lösungen
Straßen-, Hof- und Parkplatzabläufe haben fast alle denselben Aufbau: ein Rost, darunter ein Schmutzfangeimer, darunter der Anschluss an Kanal oder Versickerung. Der Eimer ist damit die letzte Stelle, an der sich Feststoffe noch abfangen lassen, bevor sie das Grundstück verlassen.
Je nach Region heißt dieses Bauteil Schmutzfangeimer, Schlammeimer im Straßenablauf oder Schmutzfangkorb im Gully. Ohne Filtereinsatz hält der Eimer nur das zurück, was absinkt. Feineres Material bleibt in Schwebe und wird beim nächsten Regen weitergespült. Ein textiler Einsatz ändert das, weil er das Wasser durch ein Filtermedium führt statt nur an ihm vorbei.
Der Schmutzfangeimer ist die letzte Stufe vor dem Kanal
Ein Filtereinsatz für den Straßenablauf, ein Filter für den Hofablauf oder ein Ablauffilter für Regenwasser auf befestigten Flächen erfüllen dabei dieselbe Grundfunktion. Welcher Einsatz der richtige ist, hängt davon ab, was Sie zurückhalten wollen.
Drei Aufgaben, drei Lösungen
| Aufgabe | Lösung | Feinheit | Typische Fläche |
|---|---|---|---|
| Sand, Sediment, Laub, Grobstoffe zurückhalten | Filtersack für Schmutzfangeimer | nominell 100 µm | Hofflächen, Parkplätze, allgemeine Straßenabläufe |
| zusätzlich feine straßenbürtige Partikel | Mikroplastik-Filtersack | nominell 70 µm | Verkehrsflächen, Logistik, Gewerbeflächen |
| Kunststoffgranulat und Pellets | Rückhaltesystem mit Eimer | nominell 70 µm | Kunststoffverarbeitung, Verladung, Silobereiche |
Der Unterschied zwischen den ersten beiden ist die Rückhaltegrenze, der Unterschied zum dritten ist der Aufbau: Beim Granulat-Rückhaltesystem wird der komplette Eimer ersetzt und der Filter sitzt fest daran, während die beiden Filtersäcke in den vorhandenen Eimer eingelegt werden.
Dezentrale Niederschlagswasserbehandlung, nüchtern betrachtet
Der Begriff beschreibt den Ansatz, Niederschlagswasser dort zu behandeln, wo es anfällt, statt es gesammelt einer zentralen Anlage zuzuführen. Filtereinsätze im Schmutzfangeimer sind eine sehr einfache Ausprägung davon.
Ihr Vorteil liegt in der Nachrüstbarkeit: Sie brauchen keine bauliche Änderung, keinen zusätzlichen Schacht und keine Genehmigung für einen Umbau. Ihre Grenze liegt in der Leistungsfähigkeit: Ein textiler Einsatz ersetzt keine Behandlungsanlage mit definierten Wirkungsgraden, und er ist nach keinem Regelwerk geprüft.
Wenn es um Nachweise gegenüber einer Behörde oder um die Bemessung nach DWA-A 102 geht, gehört diese Bewertung in das Entwässerungskonzept und zum Planer.
Hydraulik und Wartung gehören zusammen
Das ist der Punkt, an dem Filterprojekte in der Praxis scheitern.
Jeder Filtereinsatz senkt den Durchfluss, sobald er belegt ist. Bei starkem Zulauf kann Wasser dann über den Eimerrand laufen und ungefiltert in den Ablauf gelangen. Das ist kein Materialfehler, sondern die Betriebsgrenze des Verfahrens.
Daraus folgt eine einfache Regel: Ein Filtereinsatz ohne festgelegten Kontrollrhythmus ist keine Maßnahme, sondern ein Risiko. Wer Abläufe ausstattet, sollte gleichzeitig festlegen, wer wann kontrolliert und wechselt. Am einfachsten geht das, wenn der Wechsel an eine ohnehin bestehende Reinigungsroutine gehängt wird.
Ein feineres Medium belegt schneller. Bei 70 Mikrometern ist der Turnus deshalb enger zu wählen als bei 100.
Vorgehen bei einem neuen Standort
Abläufe erfassen: Anzahl, Bauform, Innenmaße der Schmutzfangeimer.
Aufgabe festlegen: allgemeiner Feststoffrückhalt, feine Partikel oder Granulat.
Produktrolle zuordnen und Passform prüfen.
Wartungsrhythmus definieren und einem Verantwortlichen zuordnen.
Im ersten Jahr eng kontrollieren und den Turnus anhand der realen Beladung anpassen.
Häufige Fragen zu Filtern in Straßen- und Hofabläufen
Die Rückfragen kommen überwiegend aus Kommunen, Bauhöfen und Industriebetrieben.
100 oder 70 Mikrometer, was ist besser?
Keines von beiden generell. 100 µm halten Sand, Sediment und Laub zurück und lassen mehr Wasser durch. 70 µm erfassen zusätzlich feinere straßenbürtige Partikel, belegen dafür schneller. Die Wahl richtet sich nach der Aufgabe und danach, welchen Wartungsturnus Sie leisten können.
Passt ein Filtersack in jeden Schmutzfangeimer?
Der Filtersack für Schmutzfangeimer passt sich durch sein flexibles Material vielen Rundeimern an. Der Mikroplastik-Filtersack ist in mehreren Längen für die gängigen Bauformen erhältlich. Bei abweichender Geometrie hilft ein Maßabgleich.
Was ist der Unterschied zu einem Schmutzfangkorb?
Ein Korb ist ein starres Bauteil mit Lochung und hält vor allem Grobstoffe zurück. Ein textiler Einsatz führt das Wasser durch ein Filtermedium und erfasst deutlich feineres Material. Beide schließen sich nicht aus; der Einsatz kann in einen vorhandenen Korb eingelegt werden, wenn die Maße passen.
Halten die Filter Reifenabrieb zurück?
Teilweise. Reifenabrieb liegt über einen weiten Größenbereich verteilt; der Anteil oberhalb der Rückhaltegrenze wird erfasst, feinere Fraktionen passieren. Eine Wirkungsangabe in Prozent ist ohne Messung an der konkreten Fläche nicht möglich.
Was passiert bei Starkregen?
Ein beladener Filter senkt den Durchfluss, und bei sehr hohem Zulauf kann Wasser über den Eimerrand laufen. Der Filtereinsatz ersetzt keine hydraulisch ausreichend dimensionierte Entwässerung. Der Wartungsturnus ist die wirksame Gegenmaßnahme.
Brauche ich für Kunststoffgranulat einen anderen Filter?
Nicht zwingend eine andere Feinheit, aber einen anderen Aufbau. Bei den Rückhaltesystemen sitzt der Filter fest am Eimer, damit das Wasser zwangsläufig durch das Gewebe geführt wird. Das ist bei leichtem, schwimmfähigem Granulat der entscheidende Unterschied.




