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Schlamm entwässern: Ablauf, Aufstellung und Grenzen des Verfahrens

Schlamm entwässern: Ablauf, Aufstellung und Grenzen des Verfahrens

Ratgeber Schlammentwässerung
Aktualisiert: August 2026Lesedauer: ca. 8 Minuten

Schlamm entwässern heißt, den Flüssigkeitsanteil aus einem Feststoff-Wasser-Gemisch zu verringern. Der Grund ist fast immer derselbe: Wasser ist schwer, Wasser braucht Volumen, und beides kostet beim Transport und bei der Entsorgung Geld. Wer den Wasseranteil vor dem Abtransport senkt, transportiert weniger und entsorgt weniger.

Dafür gibt es mehrere Verfahren. Dekanter, Kammerfilterpressen, Schneckenpressen und Bandfilter arbeiten kontinuierlich oder halbkontinuierlich, mit Maschinentechnik und entsprechendem Investitions- und Betreuungsaufwand. Die Sackentwässerung im Filtersack Mehr dazu arbeitet chargenweise und ohne bewegte Teile: Das Gemisch kommt in einen textilen Filtersack, das Wasser tritt durch die Wandung aus, der Feststoff bleibt zurück. Für diese Bauart sind mehrere Bezeichnungen gebräuchlich. Schwerkraftfiltersack, Schlammfiltersack und Entwässerungsbeutel für Schlamm meinen dasselbe Produkt, sie betonen nur unterschiedliche Aspekte: die Antriebskraft, den Inhalt oder die Form.

Schlamm entwässern: worum es geht

Schlamm entwässern heißt, den Flüssigkeitsanteil aus einem Feststoff-Wasser-Gemisch zu verringern. Der Grund ist fast immer derselbe: Wasser ist schwer, Wasser braucht Volumen, und beides kostet beim Transport und bei der Entsorgung Geld. Wer den Wasseranteil vor dem Abtransport senkt, transportiert weniger und entsorgt weniger.

Dafür gibt es mehrere Verfahren. Dekanter, Kammerfilterpressen, Schneckenpressen und Bandfilter arbeiten kontinuierlich oder halbkontinuierlich, mit Maschinentechnik und entsprechendem Investitions- und Betreuungsaufwand. Die Sackentwässerung im Filtersack Mehr dazu arbeitet chargenweise und ohne bewegte Teile: Das Gemisch kommt in einen textilen Filtersack, das Wasser tritt durch die Wandung aus, der Feststoff bleibt zurück. Für diese Bauart sind mehrere Bezeichnungen gebräuchlich. Schwerkraftfiltersack, Schlammfiltersack und Entwässerungsbeutel meinen dasselbe Produkt, sie betonen nur unterschiedliche Aspekte: die Antriebskraft, den Inhalt oder die Form.

Dieser Ratgeber beschreibt, wie das konkret abläuft, was dabei zu beachten ist und wo das Verfahren nicht mehr das richtige ist.

Sackentwässerung in fünf Schritten

Schritt 1: Aufstellen. Der Sack braucht ebenen, tragfähigen Untergrund. Er wird gefüllt schwer, und was schief steht, steht später schiefer. Unterhalb muss das Filtrat kontrolliert ablaufen können, also entweder ein Gefälle zu einer Auffangrinne oder eine Wanne. Der Aufstellort sollte so gewählt werden, dass der gefüllte Sack später mit dem vorgesehenen Hebezeug erreichbar ist. Dieser letzte Punkt wird am häufigsten übersehen.

Schritt 2: Befüllen. Der Sack ist oben offen und hat keine feste Anschlussöffnung. Befüllt wird über Schlauch, Rohr, Pumpe, Kübel oder direkt aus einem Sammelbehälter. Sinnvoll ist eine gleichmäßige Verteilung: Wer immer an dieselbe Stelle einfüllt, baut dort schneller Kuchen auf, während andere Bereiche der Filterfläche ungenutzt bleiben. Bei sehr dünnflüssigem Material lohnt es sich, in mehreren Etappen zu befüllen und dazwischen Wasser austreten zu lassen.

Schritt 3: Entwässern. Jetzt passiert das Eigentliche, und zwar von allein. Die Wassersäule im Sack erzeugt den Druck, der das Wasser durch das Textil treibt. Zu Beginn läuft es schnell, danach immer langsamer, weil sich innen eine Schlammschicht aufbaut. Diese Schicht ist kein Fehler. Sie ist ein zweiter Filter, der feinere Partikel zurückhält als das Textil allein, und sie ist gleichzeitig der Grund, warum der Durchfluss sinkt.

Schritt 4: Bergen. Wenn genug Wasser ausgetreten ist, wird der Sack über die Gurtschlaufen angehoben. Entscheidend ist hier die tatsächliche Masse, nicht das Volumen. Ein zu drei Vierteln gefüllter Sack mit schwerem mineralischem Schlamm kann deutlich mehr wiegen als ein voller Sack mit leichtem organischem Material. Hebezeug und Anschlagmittel müssen zur realen Last passen. Welche Größe welche Arbeitslast trägt, zeigt der Größenratgeber Mehr dazu.

Schritt 5: Entsorgen. Sack und Inhalt gehen gemeinsam den Weg, den die Abfalleinstufung des Schlamms vorgibt. Die Filtersäcke sind Einwegprodukte.

Was den Entwässerungsverlauf bestimmt

Wie schnell und wie weit ein Schlamm entwässert, hängt von mehreren Größen ab, die sich gegenseitig beeinflussen.

Einflussgröße Wirkung
Feststoffgehalt Höherer Anteil bedeutet weniger auszutreibendes Wasser, aber auch schnelleren Kuchenaufbau
Partikel- und Flockengröße Grobes Material entwässert schneller. Feine, schluffige Anteile setzen das Textil zu
Kornform Kantiges Material baut einen durchlässigeren Kuchen als plättchenförmiges
Konditionierung Geflockter Schlamm gibt Wasser deutlich besser ab als ungeflockter
Temperatur Wärmeres Wasser ist dünnflüssiger und läuft schneller ab
Füllhöhe Mehr Wassersäule bedeutet mehr Druck, aber auch mehr Last auf den Kuchen
Filterfläche Größere benetzte Fläche verteilt den Kuchen und verzögert das Zusetzen

Aus dieser Liste folgt die wichtigste praktische Konsequenz: Eine allgemeingültige Entwässerungsdauer gibt es nicht. Wer eine Zahl nennt, kennt entweder den Schlamm genau oder rät. Bei einem Medium, das Sie noch nicht entwässert haben, ist ein Vorversuch mit einem einzelnen Sack die schnellste und billigste Methode, um zu einer belastbaren Planungsgrundlage zu kommen.

Filtersack mit 100 µm: warum O90 keine Abscheidegrenze ist

Für die freistehenden Filtersäcke ist eine charakteristische Öffnungsweite O90 von 100 µm dokumentiert. Wer einen Filtersack für Schlamm mit 100 µm sucht, liest diese Angabe meist als Abscheidegrenze, und das ist sie nicht.

O90 ist ein Kennwert aus der Geotextilprüfung. Er sagt, dass 90 Prozent der Poren im Material kleiner sind als der genannte Wert. Er sagt nichts darüber, welcher Partikel zurückgehalten wird. Denn erstens sind Poren keine geraden Kanäle, sondern ein verschlungenes Netz. Zweitens ändert sich die Rückhaltung mit dem Kuchenaufbau erheblich: Ein Partikel von 40 µm, der zu Beginn durchgeht, wird nach zehn Minuten von der aufgebauten Schicht gehalten.

Beim Classic-Beutel und beim Lackschlammvlies steht bei manchen Angaben „nominal". Auch das ist eine Auslegungsangabe des Herstellers und keine gemessene Trenngrenze.

Praktisch heißt das: Wenn Ihnen die Klarheit des Filtrats wichtig ist, ist der Vorversuch das Mittel der Wahl. Und wenn das erste Filtrat trüb ist, lohnt es sich, das zweite abzuwarten, bevor Sie das Material für ungeeignet halten.

Durchflusswerte des Filtermaterials richtig einordnen

Für das 200-g/m²-Geotextil sind 80 l/s/m² bei 50 mm Wassersäule und 135 l/s/m² bei 100 mm Wassersäule dokumentiert. Beim Classic-Beutel steht eine Luftdurchlässigkeit von 500 l/dm²/min bei 200 Pa, bei den beiden Lackschlammvliesen 8.900 beziehungsweise 4.300 l/m²/s.

Alle diese Zahlen gelten für flaches, sauberes Material im Prüfstand. Sie eignen sich hervorragend, um Materialien untereinander zu vergleichen. Sie eignen sich nicht, um den Durchsatz eines gefüllten Sacks zu berechnen. Ein Material, das doppelt so offen ist, entwässert einen gegebenen Schlamm nicht doppelt so schnell, weil der Kuchen und nicht das Textil den Widerstand bestimmt, sobald die Entwässerung läuft.

Filtrat: gefiltert ist nicht gereinigt

Das Wasser, das aus dem Sack austritt, ist gefiltert, nicht gereinigt. Der Unterschied ist erheblich. Abgetrennt werden Feststoffe oberhalb der Rückhaltegrenze. Nicht abgetrennt werden gelöste Stoffe, Öle in Emulsion, Salze, Metalle in Lösung und alles, was den pH-Wert bestimmt.

Ob das Filtrat in den Kanal darf, im Kreislauf zurückgeführt werden kann oder als Abwasser entsorgt werden muss, richtet sich nach dem Ausgangsmedium und den örtlichen Vorgaben. Bei Betonwaschwasser ist typischerweise der pH-Wert das Thema Mehr dazu, bei Werkstattabwässern der Kohlenwasserstoffgehalt, bei Prozesswässern die betriebliche Genehmigung. Diese Frage gehört an den Anfang der Planung und nicht ans Ende.

Wo die Sackentwässerung an ihre Grenzen kommt

Das Verfahren ist gut, wenn es passt, und schlecht, wenn es nicht passt. Ehrlicherweise gehören diese Fälle dazu:

Kontinuierlicher Zulauf über Stunden oder Tage. Dafür sind Dekanter, Schneckenpresse oder Kammerfilterpresse gebaut. Ein Filtersack arbeitet chargenweise, etwa bei Klärschlamm aus kleinen Anlagen Mehr dazu.

Sehr hohe Trockensubstanzanforderungen. Wenn eine bestimmte Restfeuchte erreicht werden muss, ist ein Druckverfahren die zuverlässigere Wahl. Die Schwerkraft leistet, was sie leistet.

Sehr feine, nicht flockbare Schlämme. Wenn das Material das Textil sofort zusetzt und kein durchlässiger Kuchen entsteht, kommt kaum Wasser durch.

Große Mengen bei begrenztem Platz. Sackentwässerung braucht Stellfläche und Zeit. Wo beides fehlt, wird sie unwirtschaftlich.

Medien mit unklarer chemischer Zusammensetzung. Polypropylen ist gegenüber vielen wässrigen Medien beständig, aber nicht gegenüber allen. Bei Lösemitteln, hohen Temperaturen oder aggressiven Konzentrationen gehört das Medium vorab geprüft Mehr dazu.

Wenn einer dieser Punkte auf Ihre Situation zutrifft, sagen wir das lieber vorher als nach dem ersten Versuch.

Wann die mobile Schlammentwässerung im Sack die bessere Wahl ist

Umgekehrt spricht einiges für das Verfahren, wenn die Randbedingungen passen. Es fällt kein Investitionsaufwand für eine Anlage an. Es braucht keine Wartung an bewegten Teilen. Der Aufstellort ist frei wählbar und kann sich ändern. Was häufig als mobile Schlammentwässerung gesucht wird, bedeutet hier genau das: Der Sack geht dorthin, wo der Schlamm anfällt, statt den Schlamm zur Anlage zu fahren. Mit fahrbaren Entwässerungsanlagen oder mobilen Dekantern hat das nichts zu tun; beweglich ist das Verbrauchsmaterial, nicht eine Maschine. Der Aufwand skaliert mit der Menge und nicht mit der Anlagengröße. Und bei unregelmäßigem Anfall steht keine Maschine ungenutzt herum.

Für Betriebe, bei denen Schlamm anfällt, aber nicht in Mengen, die eine Presse rechtfertigen, ist das oft die wirtschaftlichste Lösung.

Checkliste vor dem ersten Einsatz

  • Untergrund eben, tragfähig, Filtratauffang vorhanden
  • Aufstellort für das Hebezeug erreichbar
  • Gleichmäßig befüllen, bei dünnflüssigem Material in Etappen
  • Lastklasse nach erwarteter Masse wählen, nicht nach Volumen
  • Bei unbekanntem Schlamm zuerst einen Sack testen und wiegen
  • Filtratweg vor dem ersten Einsatz geklärt
  • Entsorgungsweg und Abfalleinstufung vorab mit dem Entsorger abstimmen

Anwendungsbeispiele im Detail: Bohrschlamm Mehr dazu, Betonschlamm Mehr dazu, Kehrschlamm Mehr dazu, Klärschlamm Mehr dazu und Lackschlamm Mehr dazu.

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