Regenwasser vorfiltern: Positionen, Bauarten und Auswahl
Wer eine Regenwasserzisterne betreibt, einen Filter dafür sucht oder Regenwasser versickern lassen will, steht früher oder später vor derselben Frage: Wo im Wasserweg gehört der Filter hin? Die Antwort entscheidet mehr über das Ergebnis als die Feinheit des Filtermediums.
Der Weg des Regenwassers hat vier Stellen, an denen typischerweise gefiltert wird.
Regenwasser filtern heißt: an der richtigen Stelle filtern
Am Dach und im Fallrohr. Hier werden Blätter, Zweige und Grobstoffe abgefangen, bevor sie überhaupt in die Leitung gelangen. Das sind Laubfänger und Fallrohrfilter. Sie halten grob zurück und sind einfach zugänglich.
Im Vorschacht. Bei größeren Anlagen sitzt hier oft ein Filterschacht mit Sieb oder Wirbelfilter. Diese Bauarten trennen einen Teil des Wassers ab und leiten das Filtrat weiter in den Speicher.
Am Zulauf in den Speicher. Hier arbeitet der textile Feinfiltersack. Er hängt im Speicher direkt unter dem Zulauf, hat eine große Filterfläche und hält auch feine Schwebstoffe zurück.
Am Sickerschacht. Wenn das Wasser nicht gespeichert, sondern versickert wird, sitzt der Filter im Schacht selbst und schützt die Sickerfläche vor Verschlammung.
Welcher Filter für die Zisterne?
Diese Frage stellt sich am häufigsten, deshalb hier die Bauarten im direkten Vergleich.
| Bauart | Einbauort | Rückhaltebereich | Nachrüstung | Wartung |
|---|---|---|---|---|
| Laubfänger und Fallrohrfilter | Fallrohr | Grobstoffe | Eingriff am Fallrohr | Sieb entleeren |
| Filterkorb | Schacht oder Zulauf | je nach Lochung, meist gröber | oft Einbauänderung nötig | Korb entnehmen und spülen |
| Wirbel- und Sprungfilter | Vorschacht | je nach Bauart, teilselbstreinigend | Schachteinbau nötig | geringer, aber Wasserverlust am Überlauf |
| Textiler Feinfiltersack | im Speicher unter dem Zulauf | nominell ca. 70 µm | ohne Umbau am Zulauf | entnehmen und ausspülen |
Es gibt keine generell beste Bauart. Bei einem Neubau mit geplantem Filterschacht ist ein Wirbelfilter naheliegend. Bei einem vorhandenen Speicher, an dem nichts umgebaut werden soll, ist der textile Sack meist die einzige Lösung, die ohne Eingriff auskommt. Und in vielen Anlagen ergänzen sich Grobfilter im Fallrohr und Feinfilter am Zulauf sinnvoll.
Was Vorfiltration leistet und was nicht
Ein Vorfilter hält Feststoffe zurück. Das reduziert die Sedimentbildung im Speicher, schont nachgeschaltete Komponenten und macht die Wartung planbarer.
Was Vorfiltration nicht leistet: Sie macht kein Trinkwasser. Gelöste Stoffe, Keime und chemische Bestandteile bleiben im Wasser, unabhängig von der Filterfeinheit. Für Gartenbewässerung, Toilettenspülung und Waschmaschine ist gefiltertes Regenwasser der übliche Stand; für Trinkwasser gelten völlig andere Anforderungen.
Und sie ersetzt keine Wartung. Jeder Filter, der etwas zurückhält, wird beladen. Ein Filter ohne Kontrollrhythmus ist nach einiger Zeit ein Abflusshindernis.
Bei Versickerung gilt eine andere Logik
Wird das Wasser nicht gespeichert, sondern versickert, verschiebt sich das Ziel. Es geht nicht mehr darum, den Speicherinhalt sauber zu halten, sondern die Versickerungsfähigkeit des Untergrunds zu erhalten.
Feststoffe, die auf die Sohle eines Sickerschachts gelangen, verdichten sich dort und senken die Versickerungsleistung dauerhaft. Der Filtersack im Schacht fängt sie vorher ab. Wie oft er gewechselt werden muss, hängt von der angeschlossenen Fläche und der Feststofffracht ab.
Und auf Verkehrs- und Hofflächen?
Dort läuft das Regenwasser über Straßenabläufe und Schmutzfangeimer ab und bringt anderes Material mit: Sand, Splitt, Reifenabrieb, Streusalzreste. Für diese Situation gibt es eigene Filtereinsätze mit 100 und 70 Mikrometern, die nach Aufgabe und nicht nach Wasserqualität ausgewählt werden.
Häufige Fragen zur Regenwasser-Vorfiltration
Die Fragen, die uns von Privatkunden und Fachbetrieben am häufigsten zum Thema Vorfiltration erreichen.
Brauche ich überhaupt einen Filter in der Zisterne?
Ohne Vorfiltration gelangt alles, was auf dem Dach liegt, in den Speicher und setzt sich am Boden ab. Das Sediment wird bei jedem Pumpvorgang aufgewirbelt und belastet Pumpe und Bewässerungstechnik. Ein Filter reduziert diesen Eintrag deutlich.
Welcher Filter passt zu meiner Zisterne?
Das hängt davon ab, ob Sie nachrüsten oder neu planen. Beim Nachrüsten ohne Umbau ist der textile Feinfiltersack die naheliegende Lösung; maßgeblich ist der Durchmesser der Zulauföffnung. Bei einer Neuplanung mit Filterschacht kommen auch andere Bauarten infrage.
Wird das Wasser dadurch trinkbar?
Nein. Feststofffiltration entfernt keine gelösten Stoffe und keine Keime. Für Trinkwasser sind eine geeignete Aufbereitung und die entsprechenden rechtlichen Voraussetzungen erforderlich.
Wie oft muss ein Vorfilter gewartet werden?
Das hängt von Dachfläche, Bewuchs und Witterung ab. Ein fester Turnus lässt sich nicht angeben. Bewährt hat sich eine Kontrolle im Frühjahr und im Herbst sowie nach längeren Trockenphasen mit anschließendem Starkregen.
Kann ich mehrere Filterstufen kombinieren?
Ja, und häufig ist das sinnvoll. Ein Laubfänger im Fallrohr entlastet den Feinfilter am Zulauf spürbar, weil grobes Material gar nicht erst ankommt. Die Kombination verlängert die Standzeit der feineren Stufe.
Was ist der Unterschied zwischen Vorfilter und Feinfilter?
Die Begriffe werden nicht einheitlich verwendet. Praktisch ist die Unterscheidung nach Einbauposition und Rückhaltebereich hilfreicher: Grobstoffe möglichst früh, feine Schwebstoffe möglichst nah am Speicher.




