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Filtervlies auswählen: Material, Grammatur und Rollenmaß

Filtervlies auswählen: Material, Grammatur und Rollenmaß

Ratgeber Filtervlies
Aktualisiert: August 2026 Lesedauer: ca. 9 Minuten

Wer eine Filtervlies-Rolle beschafft, steht meist vor derselben Reihenfolge. Erstens: Welches Material passt zum Medium? Zweitens: Welche Grammatur beziehungsweise Qualität passt zur Feststofffracht? Drittens: Welche Maße braucht die Anlage?

Welches Filtervlies für welchen Bandfilter?

Die dritte Frage ist die einfachste und wird trotzdem am häufigsten falsch beantwortet, weil ein Maß vergessen wird. Die zweite Frage wird am häufigsten falsch gestellt, weil aus der Grammatur eine Filterfeinheit abgeleitet wird. Beides klärt dieser Ratgeber.

Filtervlies-Grammatur: Bedeutung und Grenzen

Das Flächengewicht in Gramm pro Quadratmeter beschreibt, wie viel Fasermasse auf einer Fläche liegt. Es ist eine Materialangabe, mehr nicht.

Es ist keine Filterfeinheit. Aus 20, 30, 50 oder 150 g/m² lässt sich keine Mikrometerzahl ableiten. Die tatsächliche Trennwirkung entsteht im Betrieb aus Faserstruktur, Partikelgrößenverteilung, Feststoffkonzentration, Bandgeschwindigkeit und vor allem aus dem Filterkuchen, der sich während des Betriebs aufbaut.

Es ist auch keine Dicke. Der beste Beleg dafür steht in unserem eigenen Sortiment: Das PP-Vlies P20 (P20 ansehen) wiegt 20 g/m² und misst 0,27 mm. Das Viskosevlies V30 (V30 ansehen) wiegt 50 Prozent mehr, misst aber nur 0,25 mm. Die chemisch gebundene Viskose ist kompakter aufgebaut als das PP-Spinnvlies.

Was die Grammatur leistet: Sie ordnet Qualitäten innerhalb derselben Materialfamilie. V30 und V50 aus demselben Rohstoff und derselben Bindung lassen sich über 30 gegenüber 50 g/m² sinnvoll vergleichen. Über Materialgrenzen hinweg funktioniert das nicht.

Was der Filterkuchen damit zu tun hat

Dieser Punkt erklärt, warum alle Datenblätter dieser Produktfamilie den Hinweis tragen, dass die tatsächliche Filterfeinheit nicht garantiert werden kann.

Ein frisch vorgezogenes Vlies ist nicht der eigentliche Filter. Es ist der Träger. Sobald die ersten Feststoffe darauf liegen, bildet sich eine Schicht, und diese Schicht übernimmt einen wachsenden Teil der Trennarbeit. Sie hält Partikel zurück, die durch das blanke Vlies hindurchgegangen wären, und sie erhöht gleichzeitig den Durchflusswiderstand.

Genau darauf ist ein Bandfilter ausgelegt: Er lässt den Kuchen wachsen, bis der Differenzdruck oder der Füllstand eine Schwelle erreicht, und zieht dann frisches Vlies nach. Wie lange dieser Zyklus dauert und wie sauber das Filtrat dabei ist, hängt vom Zusammenspiel aus Vlies, Medium, Fracht und Anlagensteuerung ab.

Deshalb ist eine Versuchsrolle keine Notlösung, sondern das einzige Verfahren, das eine belastbare Antwort liefert.

Material: PP, Viskose oder Polyester?

Material Bindung Im Sortiment Typische Überlegung
Polypropylen Spinnvlies P20 (P20 ansehen) wenn das Medium für PP spricht und eine leichte, offene Qualität ausreicht
Viskose chemisch gebunden V30 (V30 ansehen), V50 (V50 ansehen) üblicher Ausgangspunkt für wassermischbare Kühlschmierstoffe in der Zerspanung
Polyester wasserstrahlverfestigt P150 (P150 ansehen) bei feinem Schleifabrieb und hoher mechanischer Belastung

Die Materialwahl gehört an den Anfang, weil sie sich später am schwersten korrigieren lässt. Entscheidend sind Medium, Konzentration, Temperatur und Kontaktzeit. Eine pauschale Beständigkeitsaussage gibt es für keines der Materialien; das ist immer eine Einzelfallbetrachtung (Produktberatung).

Filtervlies 30g zu 50g: der Unterschied in Zahlen

Der Unterschied zwischen 30g und 50g ist die meistgestellte Vergleichsfrage in dieser Produktgruppe, und sie lässt sich sauber beantworten, weil beide Qualitäten nach derselben Norm bei 2 Millibar geprüft wurden.

Merkmal V30 V50
Flächengewicht 30 g/m² 50 g/m²
Dicke 0,25 mm 0,36 mm
Luftdurchlässigkeit bei 2 mbar ca. 5.300 l/m²/s ca. 3.600 l/m²/s
Höchstzugkraft längs/quer 80/13 N/5 cm 125/25 N/5 cm

V50 ist 44 Prozent dicker und lässt rund ein Drittel weniger Luft durch. Die Querzugkraft verdoppelt sich nahezu, was bei schweren Filterkuchen im Bandvorschub zählt.

Was daraus folgt: V50 setzt dem Durchfluss mehr entgegen und hält tendenziell mehr zurück. Was daraus nicht folgt: eine bestimmte Trenngrenze oder eine längere Standzeit. Mehr Material nimmt mehr auf, ein dichteres Vlies setzt sich aber schneller zu. Welcher Effekt in Ihrer Anlage überwiegt, zeigt der Versuch.

Warum die Luftdurchlässigkeitswerte keine Rangliste ergeben

In der Kategorieübersicht stehen vier Werte nebeneinander, und die Versuchung ist groß, sie zu sortieren. Das führt in die Irre.

P20 und P150 wurden nach DIN 53887 geprüft, V30 und V50 nach DIN EN 9237 bei 2 Millibar. Unterschiedliche Verfahren mit unterschiedlichen Druckdifferenzen liefern Zahlen, die nicht auf derselben Skala liegen. Direkt vergleichbar sind deshalb nur V30 mit V50 und P20 mit P150.

Und in keinem Fall ist ein Luftwert ein Flüssigkeitsdurchsatz. Luft und Kühlschmierstoff verhalten sich im Vlies unterschiedlich, allein schon wegen Viskosität und Benetzung.

Filtervlies-Rolle ausmessen: die fünf Maße an der Anlage

Für die Bestellung einer Ersatzrolle reichen fünf Angaben. Nehmen Sie sie einmal auf und notieren Sie sie an der Anlage, dann ist jede weitere Bestellung eine Sache von Minuten.

Rollenbreite. Die Filtervlies-Rollenbreite, gemessen quer zur Laufrichtung. Sie muss zur Filterfläche und zur Führung passen. Standardbreiten sind 500, 710 und 1.000 mm.

Rollenlänge. Die Lauflänge auf der Rolle. Unsere Viskose- und PP-Qualitäten kommen auf 100-m-Rollen, das dickere Polyestervlies auf 50-m-Rollen. Rechnen Sie den Bedarf in Metern, nicht in Rollen.

Hülsendurchmesser. Der Kerndurchmesser des Filtervlieses, also der Innendurchmesser des Kerns, auf den das Vlies gewickelt ist. Messen Sie ihn innen an der leeren Hülse. Für P20 und P150 ist eine 70-mm-Hülse dokumentiert.

Maximaler Rollendurchmesser. Der Platz im Aufnahmefach der Anlage. Dieser Wert wird am häufigsten vergessen und ist besonders bei dickeren Vliesen entscheidend.

Abrollrichtung. Ob das Vlies von oben oder von unten abläuft. Bei asymmetrisch aufgebauten Vliesen kann das eine Rolle spielen, bei der Führung im Band fast immer.

Filtervlies anhand einer vorhandenen Rolle bestimmen

Wenn Sie eine Anlage übernommen haben oder das bisherige Material nicht dokumentiert ist, führen vier Dinge am schnellsten zum Ziel.

Ein Foto des Rollenetiketts. Dort stehen häufig Qualitätsbezeichnung, Breite, Länge und eine Artikelnummer, auch wenn sie von einem anderen Lieferanten stammt.

Die gemessenen Maße nach der Liste oben.

Angaben zu Medium und Verschmutzung: welcher Kühlschmierstoff, welcher Werkstoff, welches Verfahren, wie hoch die Feststofffracht.

Und, wenn möglich, ein Musterstück. Ein Stück von etwa einem halben Meter genügt, um Material, Bindung und Grammatur einzuordnen.

Mit diesen Angaben grenzen wir die passende Standardqualität ein oder sagen Ihnen, dass es eine Sonderlösung braucht (Produktberatung).

Filterpapier oder Filtervlies?

Beide Begriffe werden im Alltag durcheinander verwendet, und in Ausschreibungen steht häufig Filterpapier, obwohl ein Vliesstoff gemeint ist.

Filterpapier besteht klassisch aus Zellulosefasern, die im Nassverfahren zu einer Bahn gebildet werden. Ein Vliesstoff besteht aus Fasern, die mechanisch, chemisch oder thermisch verfestigt werden, ohne den papiertypischen Prozess. Materialien wie Polypropylen und Polyester lassen sich als Vliesstoff verarbeiten, als Papier nicht.

Für Bandfilteranlagen sind beide Bahnenmaterialien im Markt. Was in Ihrer Anlage eingesetzt wird, entscheidet die Anforderung an Nassfestigkeit, Materialverträglichkeit und Aufbau. Wenn in Ihren Unterlagen Filterpapier steht, heißt das nicht automatisch, dass kein Vlies eingesetzt werden kann; es lohnt sich, das anhand von Muster und Maßen zu prüfen.

Wann eine Versuchsrolle sinnvoll ist

In vier Situationen ersetzt kein Datenblatt den Versuch.

Bei einem Wechsel der Qualität, etwa von V30 auf V50. Bei einer neuen Anlage ohne dokumentierte Historie. Bei geändertem Werkstoff, geänderten Schnittdaten oder geänderter Auslastung. Und bei einem Medienwechsel.

Eine Versuchsrolle läuft über einen vollständigen Wartungszyklus. Beobachtet werden Taktverhalten, Standzeit bis zum Wechsel, das Filtratbild und der Zustand des abgezogenen Vlieses. Vier Beobachtungen, die zusammen mehr aussagen als jede Materialtabelle.

Häufige Fragen zur Filtervlies-Auswahl

Diese Fragen erreichen uns am häufigsten aus Instandhaltung, Einkauf und Fertigung.

Bedeutet eine höhere Grammatur eine feinere Filtration?

Innerhalb derselben Materialfamilie legt sie eine höhere Rückhaltung nahe, garantiert aber keine Trenngrenze. Über Materialgrenzen hinweg ist der Vergleich nicht zulässig: Das Viskosevlies V30 ist trotz höherem Gewicht dünner als das PP-Vlies P20.

Was bedeutet die Bezeichnung V30 oder P150?

Der Buchstabe steht für den Rohstoff, V für Viskose und P für die Kunststoffqualitäten, die Zahl für das Flächengewicht in Gramm pro Quadratmeter. V30 ist Viskose mit 30 g/m² (V30 ansehen), P150 Polyester mit 150 g/m² (P150 ansehen).

Wie messe ich den Hülsendurchmesser?

Innen an der leeren Hülse, quer zur Wickelrichtung. Messen Sie nicht außen am Kern, weil die Wandstärke sonst mitgeht. Für P20 und P150 ist eine 70-mm-Hülse dokumentiert.

Kann ich Filtervlies als Meterware bekommen?

Die vier Qualitäten sind Rollenware in festen Standardbreiten. Für passgenaue Konturen und Zuschnitte gibt es den Laserzuschnitt für technische Textilien (Laserzuschnitt ansehen). Abweichende Rollenbreiten prüfen wir auf Anfrage.

Ist Filtervlies dasselbe wie Filterpapier?

Nein. Filterpapier besteht klassisch aus Zellulose und entsteht im Nassverfahren, ein Vliesstoff wird mechanisch, chemisch oder thermisch verfestigt. Beide werden in Bandfilteranlagen eingesetzt; welches Material passt, entscheidet die Anforderung.

Woran erkenne ich, dass mein Vlies zu schnell zusetzt?

Die Anlage taktet in immer kürzeren Abständen, der Verbrauch pro Schicht steigt, und das abgezogene Vlies ist flächig belegt statt gleichmäßig beladen. Ursache kann eine zu dichte Qualität sein, aber auch eine gestiegene Feststofffracht oder eine fehlende Vorabscheidung.

Welche Angaben braucht die Beratung von mir?

Rollenbreite, Länge, Hülsendurchmesser, maximaler Rollendurchmesser, Abrollrichtung, Anlagenhersteller, eingesetztes Medium und Art der Verschmutzung. Ein Foto des Rollenetiketts und ein Musterstück beschleunigen die Zuordnung erheblich (Produktberatung).

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