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Niederschlagswasserbehandlung: DWA-A 102, AFS63 und was daraus folgt

Niederschlagswasserbehandlung: DWA-A 102, AFS63 und was daraus folgt

Ratgeber Regenwasser & Rückhaltesysteme

Regenwasser, das über befestigte Flächen abläuft, nimmt auf: Feststoffe, Reifen- und Bremsabrieb, Metallpartikel, Kohlenwasserstoffe, im Winter Streumittel. Je nach Fläche und Nutzung fällt diese Fracht sehr unterschiedlich aus.

Die Regelwerke der DWA beschreiben, wie mit diesem Wasser umzugehen ist, bevor es versickert oder in ein Gewässer gelangt. Dabei taucht regelmäßig der Begriff dezentrale Niederschlagswasserbehandlung auf: die Behandlung dort, wo das Wasser anfällt, statt in einer zentralen Anlage. Sie ordnen Flächen nach ihrer Belastung ein und leiten daraus ab, welche Behandlung erforderlich ist.

Worum es bei der Niederschlagswasserbehandlung geht

Dieser Ratgeber ordnet die wichtigsten Begriffe ein. Er ersetzt weder die Bemessung durch einen Planer noch die Abstimmung mit der zuständigen Behörde.

DWA-A 102 in Kürze

Das Arbeitsblatt DWA-A 102 behandelt Grundsätze zur Bewirtschaftung und Behandlung von Regenwetterabflüssen. Es arbeitet mit einem emissions- und immissionsbezogenen Ansatz und betrachtet Flächen, Frachten und Gewässer im Zusammenhang.

Für die Praxis heißt das: Die Frage ist nicht, ob ein einzelnes Produkt konform ist, sondern ob das Behandlungskonzept einer Fläche die Anforderungen erfüllt. Ein Filtereinsatz kann ein Baustein dieses Konzepts sein. Ob er ausreicht, entscheidet die Gesamtbetrachtung.

Der zweite Teil, DWA-A 102-2, geht auf die Anforderungen an Bemessung und Nachweis genauer ein. Für die Auswahl eines Filters ist vor allem eines relevant: Nachweise beziehen sich auf geprüfte Anlagen und definierte Wirkungsgrade.

Was AFS63 bedeutet

AFS63 steht für abfiltrierbare Stoffe mit einem Korndurchmesser bis 63 Mikrometer. Der Kennwert wurde eingeführt, weil sich Schadstoffe im Straßenabfluss überwiegend an feine Partikel binden. Wer diese Fraktion erfasst, erfasst einen großen Teil der partikelgebundenen Belastung.

Hier entsteht das häufigste Missverständnis. Aus der Ähnlichkeit zweier Zahlen wird gern ein Zusammenhang gebaut: Ein Filter mit 70 Mikrometern liege doch nahe an AFS63, also müsse er AFS63 erfassen.

Das ist nicht richtig, und zwar aus zwei Gründen. Erstens ist AFS63 ein analytisch definierter Summenparameter aus einer Wasserprobe, keine Filterspezifikation. Zweitens ist eine nominale Filterfeinheit keine scharfe Trenngrenze, sondern eine Materialangabe des Herstellers. Was ein Filter tatsächlich zurückhält, hängt von Partikelform, Beladung, Anströmung und Betriebszustand ab.

Belastbare Aussagen über AFS63-Wirkungsgrade entstehen nur aus einer Prüfung nach dem dafür vorgesehenen Verfahren. Liegt eine solche Prüfung nicht vor, ist jede Prozentangabe eine Schätzung.

Nominal, charakteristisch, absolut

Drei Begriffe, die in Datenblättern durcheinandergehen und für die Auswahl wichtig sind.

Nominal ist eine Auslegungsangabe des Herstellers. Sie beschreibt, in welchem Bereich das Material trennt, ohne eine Grenze zu garantieren.

Charakteristisch, etwa als O90 bei Geotextilien, ist ein genormter Kennwert aus der Porenverteilung. Auch er ist keine Abscheidegrenze.

Absolut setzt eine Prüfung nach definiertem Verfahren voraus und gibt an, ab welcher Größe praktisch alle Partikel zurückgehalten werden. Diese Angabe ist bei textilen Filtermedien für Niederschlagswasser unüblich.

Für die Praxis folgt daraus: Eine Mikrometerangabe ordnet ein Produkt ein, sie beweist keine Wirkung.

Was ein textiler Filtereinsatz beitragen kann

Ein Filtereinsatz im Schmutzfangeimer hält Feststoffe oberhalb seiner Rückhaltegrenze zurück, quellnah und ohne baulichen Eingriff. Das reduziert den Feststoffaustrag aus dem Ablauf.

Was er nicht ist: eine geprüfte Behandlungsanlage mit ausgewiesenem Wirkungsgrad. Wenn ein Nachweis gegenüber einer Behörde geführt werden muss, ist die Frage nicht, welches Produkt eingesetzt wird, sondern ob das Behandlungskonzept die Anforderungen erfüllt und wie das belegt wird.

In diesem Marktsegment wird viel mit Regelwerksbegriffen geworben. Für die Auswahl hilfreicher sind die tatsächlichen Materialdaten und der benannte Einsatzbereich.

Mikroplastik und Reifenabrieb einordnen

Mikroplastik umfasst definitionsgemäß Partikel unter fünf Millimetern, mit einem großen Anteil im Mikrometerbereich. Reifen- und Fahrbahnabrieb verteilen sich über einen weiten Größenbereich.

Ein Filter mit 70 Mikrometern erfasst den Anteil oberhalb seiner Rückhaltegrenze. Der Anteil darunter passiert. Eine Aussage wie „hält Mikroplastik zurück" ist deshalb nur mit dieser Einschränkung zutreffend, und ein Wirkungsgrad in Prozent lässt sich ohne Messung an der konkreten Fläche nicht angeben.

Das ist keine Schwäche des Verfahrens, sondern eine Eigenschaft jeder mechanischen Filtration. Wer den Feinstanteil erfassen will, braucht andere Verfahren mit entsprechendem baulichen und betrieblichen Aufwand.

Häufige Fragen zu Regelwerken und Kennwerten

Diese Fragen stellen Planer, Kommunen und Betreiber am häufigsten.

Ist ein Filtersack mit 70 µm AFS63-konform?

Nein. AFS63 ist ein analytischer Summenparameter, keine Filterspezifikation, und eine nominale Feinheit ist keine geprüfte Trenngrenze. Belastbare Wirkungsgrade entstehen nur aus einer Prüfung nach dem dafür vorgesehenen Verfahren.

Kann ich mit einem Filtereinsatz DWA-A 102 erfüllen?

Die Frage lässt sich so nicht beantworten, weil das Regelwerk Behandlungskonzepte für Flächen bewertet und nicht einzelne Bauteile. Ein Filtereinsatz kann Bestandteil eines Konzepts sein. Die Bewertung nimmt der Planer vor.

Was ist der Unterschied zwischen nominaler und absoluter Filterfeinheit?

Nominal ist eine Auslegungsangabe des Herstellers ohne garantierte Grenze. Absolut setzt eine Prüfung nach definiertem Verfahren voraus. Bei textilen Filtermedien für Niederschlagswasser sind nominale Angaben üblich.

Warum nennen Sie keine Wirkungsgrade?

Weil sie ohne anlagenspezifische Prüfung nicht belastbar wären. Eine Prozentangabe, die aus einer Materialkennzahl abgeleitet ist, hält keiner Nachfrage stand. Wir nennen deshalb Materialdaten, Einsatzbereich und Grenzen.

Für welche Flächen ist eine Behandlung überhaupt erforderlich?

Das richtet sich nach der Flächenbelastung und dem Gewässer- oder Versickerungsziel. Die Einordnung erfolgt im Rahmen der Planung und in Abstimmung mit der zuständigen Behörde. Eine pauschale Antwort gibt es nicht.

Wo bekomme ich eine belastbare Bemessung?

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