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Welches Filtertuch passt zur Kammerfilterpresse? Auswahl nach Prozessziel

Welches Filtertuch passt zur Kammerfilterpresse? Auswahl nach Prozessziel

Ratgeber Filterpressentücher
Aktualisiert: August 2026Lesedauer: ca. 8 Minuten

Die häufigste Anfrage lautet: „Wir brauchen ein feineres Tuch." Die zweite Frage müsste eigentlich lauten: „Wofür?" Denn ein feineres Gewebe löst genau ein Problem, und es schafft dabei häufig ein anderes.

Die Auswahl beginnt nicht bei der Mikronzahl

Die häufigste Anfrage lautet: „Wir brauchen ein feineres Tuch." Die zweite Frage müsste eigentlich lauten: „Wofür?" Denn ein feineres Gewebe löst genau ein Problem, und es schafft dabei häufig ein anderes.

Deshalb steht am Anfang dieser Auswahl kein Zahlenvergleich, sondern eine Frage nach dem Ziel.

Was heute nicht passt Richtung Qualität
Filtrat bleibt trüb, Feinstoffe gelangen in nachgelagerte Anlagenteile dichter 3L (Filtertuch 3L ansehen)
Filtratqualität reicht knapp nicht, der Zyklus soll aber nicht deutlich länger werden etwas dichter 6L (Filtertuch 6L ansehen)
Prozess läuft stabil, es geht um Ersatz oder um einen wirtschaftlichen Ausgangspunkt unverändert 7L (Filtertuch 7L ansehen)
Durchsatz ist der Engpass oder der Kuchen haftet offener 15L (Filtertuch 15L ansehen)
Feinstfiltration soll über eine aufgebaute Schicht laufen anderes Verfahren 67L (Filtertuch 67L ansehen)

Monofil, Multifil oder Hybrid

Die Garnart ist der eigentliche Konstruktionsunterschied, und sie erklärt mehr über das Verhalten eines Tuchs als jede Mikronangabe.

Monofilamente sind glatte Einzelfäden. Sie lassen sich zu definierten Strukturen verweben, und weil sie keine Zwischenräume innerhalb des Fadens haben, lagern sie weniger Feststoff dauerhaft ein. Ein Monofil-Filtertuch reinigt sich in der Regel besser ab und behält seine Durchlässigkeit länger. Es ist dafür bei gleicher Fadenzahl offener.

Multifilgarne bestehen aus vielen feinen Filamenten, die zu einem Faden gebündelt sind. Dazu kommen Stapelfasergarne aus kurzen Fasern. Beide füllen die Räume im Gewebe stärker aus und halten feinere Bestandteile zurück. Sie neigen dafür eher dazu, Feststoff zwischen den Filamenten einzulagern.

Hybridgewebe kombinieren beides, etwa Monofil in der Kette und Multifil im Schuss. So lässt sich ein definiertes Grundraster mit einer geschlosseneren Fläche verbinden.

Qualität Garnaufbau Charakter
3L Multifil und Stapelfaser dichteste Struktur, höchster Rückhalt, höchster Widerstand
6L Monofil Kette, Multifil Schuss engstes Fadenraster, feine Zwischenstufe
7L Multifil Standardrolle, weitere Werte nicht dokumentiert
15L Monofil und Multifil leichtestes und offenstes der direkten Tücher
67L Monofilament Trägergewebe für Anschwemmschichten

Ein Detail, das die Auswahl gut illustriert: Das 6L hat mehr als doppelt so viele Fäden je Zentimeter wie das 3L und ist trotzdem die offenere Qualität. Das 3L erreicht seine Feinheit über die Faser, das 6L über das Raster. Wer nur die Mikronzahl vergleicht, sieht diesen Unterschied nie.

Direkte Kuchenfiltration oder Anschwemmfiltration

Diese Entscheidung fällt vor der Gewebeauswahl, denn sie betrifft das Verfahren.

Bei der direkten Kuchenfiltration hält zuerst das Gewebe die Feststoffe zurück. Nach kurzer Zeit bildet sich darauf ein Filterkuchen aus dem Prozessmedium selbst, der einen wachsenden Teil der Trennwirkung übernimmt. Das erklärt, warum das Filtrat am Anfang eines Zyklus oft anders aussieht als später. Dafür sind 3L, 6L, 7L und 15L vorgesehen.

Bei der Anschwemmfiltration wird vor oder während des Prozesses ein Filterhilfsmittel auf das Gewebe aufgebaut. Diese Schicht leistet die Feinstfiltration. Das Gewebe trägt sie und soll möglichst wenig bremsen. Dafür ist das 67L vorgesehen.

Das 67L als fünfte, gröbste Feinheitsstufe zu behandeln, ist der häufigste Auswahlfehler in dieser Produktgruppe. Ohne Anschwemmschicht arbeitet es wie ein sehr offenes Gewebe.

Die sechs Angaben, die eine Auswahl belastbar machen

Wenn Sie uns schreiben, helfen diese Angaben mehr als jede Mikronvorgabe:

Medium und Feststoff. Was wird filtriert, welcher Feststoff, welche Konzentration.

Partikelverteilung. Gleichmäßig, mit hohem Feinanteil, flockend oder schlammig.

Prozessdaten. Temperatur, pH-Wert, Pressdruck, mögliche Lösemittel oder Additive.

Zielgröße. Filtratqualität, Durchsatz, Restfeuchte des Kuchens oder Standzeit.

Aktuelles Problem. Was funktioniert heute nicht, und seit wann.

Anlage. Plattenmaß, Position im Paket, Einlaufgeometrie und bisheriges Tuch.

Ein Vergleich unter realen Anlagenbedingungen ist bei einem Wechsel fast immer aussagekräftiger als ein Laborwert. Wenn Sie zwischen zwei Qualitäten schwanken, ist ein Satz Tücher zum Testen der praktikabelste Weg (Produktberatung öffnen).

Häufige Auswahlfehler

Feiner ist besser. Ein dichteres Tuch erhöht den Widerstand. Wenn Durchsatz oder Restfeuchte kritisch sind, verschiebt es das Problem nur.

Zwei Tücher mit derselben Mikronzahl sind austauschbar. 7L und 15L tragen beide 25 µm nominell und verhalten sich im Betrieb unterschiedlich.

Der Luftwert sagt den Durchsatz voraus. Er beschreibt das trockene Gewebe. Im Betrieb bestimmt der Filterkuchen den Widerstand (Mikron, Porengröße und Luftdurchlässigkeit einordnen).

Ein neues Tuch löst ein Prozessproblem. Wenn der Kuchen bei jedem Zyklus haftet oder das Tuch schnell verblockt, liegt die Ursache oft im Prozess und nicht im Gewebe (Ratgeber zur Reinigung lesen).

Filtertuchauswahl oder Vorgehen noch nicht eindeutig?

Über die Produktberatung Filtertechnik können Sie Gewebequalität, Maße, Medium und das aktuelle Prozessproblem einordnen lassen.

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